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Die Frontotemporale Demenz (FTD), auch Pick-Krankheit genannt, ist eine der selteneren Formen von Demenz. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung von Stirn- und Schläfenlappen. Das hat zur Folge, dass nicht wie bei der Alzheimer-Demenz die Gedächtnisleistung oder der Orientierungssinn Schaden nehmen, sondern Stück für Stück z. T. massive Persönlichkeitsveränderungen auftreten.

Eine weitere Besonderheit dieser seltenen Demenzform ist der Altersbereich, in dem diese Erkrankung auftritt. Meistens sind die Betroffenen deutlich jünger, als die Patienten, die unter den anderen Demenzformen leiden. Lange vor dem 65. Lebensjahr können hier erste Symptome auftreten und die Menschen beeinträchtigen.

Die Frontotemporale Demenz ist, was ihre Ursachen angeht, zudem nicht genau einzuordnen. Neben der Feststellung, dass es sich um eine ererbte Krankheit handeln kann und sich häufig weitere Fälle im familiären Umfeld finden lassen, sind genauere Ursachen eher vermutet. Unter anderem werden Mutationen der Gene MAPT (für das Tau-Protein) und das PSEN1-Gen angenommen.

Wie äußert sich die Erkrankung und was kann medizinisch getan werden?

Die drastischste Veränderung betrifft die Persönlichkeit des Patienten, die sich zwar langsam, aber stetig verändert. Dies wird für die Familie, insbesondere für Kinder und den Ehe- oder Lebenspartner, zu einer schweren Belastung. Starke Stimmungsschwankungen und nicht typisches Verhalten sind die Folge, kombiniert mit zahlreichen anderen Auffälligkeiten.

Zu den psychischen Folgen gehört auch, dass Menschen, die mitten im Leben stehen, ihre Erkrankung ungern anerkennen und wahrhaben wollen. Frustration und Machtlosigkeit sind die Folgen, die in verschiedenen Ausprägungen Ausdruck erhalten. So kann es zu einer persönlichen Vernachlässigung kommen, die sich in Antriebslosigkeit, einer Vernachlässigung der Körperpflege bis hin zu Verwahrlosung und Apathie äußern kann.

Verwechslungsgefahr der FTD mit anderen Erkrankungen:

  • Burn-Out-Syndrom
  • Manie
  • Depression/Schwere Depression
  • Schizophrenie

Auf der anderen Seite sind auch ganz andere, eher impulsive Verhaltensweisen auffällig, wie etwa eine enorme Triebhaftigkeit bei gleichzeitigem Verlust ethischer Werte, was sogar in kriminellen Handlungen gipfeln kann. Eine frühzeitige Erkennung der Krankheit ist oft schwer und erfordert einen Experten, da die psychischen Erscheinungen leicht fehlgedeutet werden können.

Mit fortschreitendem Verlauf ergeben sich auch für Demenz typische körperliche Folgen. Neben Sprachstörungen kommt es zu Problemen mit der Orientierung bis hin zur Frontotemporalen Demenz mit einer Muskelversteifung (Rigor), welche letztlich zu kompletter Pflegebedürftigkeit führt.

Eine Heilung der Pick-Krankheit ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich. Während bei Morbus Alzheimer sogenannte Acetylcholinesterasehemmer Erfolge erzielen konnten, haben diese sich bei FTD als wirkungslos erwiesen. Lediglich die psychischen Folgen lassen sich dank entsprechender Medikamente eindämmen, was nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Angehörigen das Leben etwas erleichtert.

Umgang mit der Diagnose und weitere Hilfen

Sehr wichtig für den Umgang mit betroffenen Menschen können psychiatrische Dienste sein. Je nach Ausprägung der Erkrankung bzw. des Stadiums ist ein Verbleib im Beruf noch einige Zeit möglich und ein verfrühter Ruhestand kann entsprechend vorbereitet werden. Die größte Not neben den Veränderungen bei einem geliebten Menschen, ist auch die finanzielle Sicherheit, wenn der Betroffene z. B. durch sein regelmäßiges Einkommen den Hauskredit abzuzahlen hat. Entsprechende Hilfen durch Bund oder Krankenkassen sind nicht oder kaum vorhanden, da es sich bei Frontotemporaler Demenz um eine sehr seltene Erkrankung und somit auch nur wenige Fälle handelt.

Empfehlenswert ist neben einer kompetenten ärztlichen Begleitung auch der Austausch mit anderen Betroffenen. Da Anlaufstellen und Informationen begrenzt sind, lohnt sich das Stöbern. Auskünfte erhalten Sie auch bei Angehörigengruppen oder via medizinische Fachbücher. Im Netz machen engagierte Betroffene Mut und berichten über ihr Schicksal mit erkrankten Angehörigen z. B. im Blog Aphasialand. Die Krankheit rückt näher in den Fokus und es bleibt zu hoffen, dass auch weitere Angebote zunehmen. Bestimmte Wohngruppen werden abseits der Alzheimer-Patienten auch für jüngere Demenzerkrankte mit den Sonderformen eröffnet. Es gibt noch viel Nachholbedarf, aber Betroffene sind nicht allein.